Epidermophyton floccosum – ein anthropophiler Dermatophyt

Die Infektion durch Epidermophyton ( E .) floccosum (HARZ 1870; LANGERON & MILOCHEWITCH 1930) tritt ausschließlich beim Menschen auf und wird von Mensch zu Mensch weitergegeben. Befallen ist vorrangig die glatte Haut, seltener auch die Nägel, niemals das Haar.

Beschreibung

Makroskopische Merkmale

Sowohl auf Sabouraud-Glukose-Agar (alternativ Kimmig-Agar), als auch auf Mycosel-Agar, wächst der Dermatophyt mittelschnell, zunächst weiß. Aber schon nach wenigen Tagen nimmt der Thallus seine charakteristische grünlich-gelbe („olivgrüne“) Färbung an. Die Variationsbreite ist jedoch erstaunlich groß, so dass auch violette oder rosa gefärbte Isolate möglich sind. Die Kolonien sind gewöhnlich flach mit zentraler, knopfartiger Erhebung und durchzogen von radiären Furchen und Falten. Nach 10 d bei 30°C hat die Kolonie einen Durchmesser von 10-25 mm. Typisch ist der bereits nach drei Wochen einsetzende sog. Pleomorphismus, erkennbar an den weißen, watteähnlichen Luftmyzelflöckchen inmitten der Kolonien. Mit zunehmendem Alter und bereits nach wenigen Subkulturen wird der Pilz vollständig pleomorph und besteht nur noch aus weißem, wattigem und sog. sterilem Myzel. Die Primärkultur-Unterseite ist farblos, später gelb-bräunlich und gefurcht.

Mikroskopische Merkmale

Im mikroskopischen Bild imponieren zahlreiche keulenförmige, glatt- und dünnwandige Makrokonidien mit 2-8 Kammern, die einzeln lateral an den septierten Hyphen inserieren oder auch terminal zu 2-5 in Büscheln angeordnet sind. Sie können 7-12 µm breit und 20-40 µm lang sein. Im Gegensatz zu den Gattungen Trichophyton und Microsporum werden keine Mikrokonidien gebildet. In Abhängigkeit vom Kulturalter sind zunehmend interkalare und terminale, 20 µm große Chlamydosporen zu sehen.

Physiologische Merkmale

Das Wachstumsoptimum liegt bei 28°C. Der Pilz wächst aber auch bei 37°C. Im Gegensatz zu anderen Dermatophyten kann E. floccosum Haare nicht perforieren. Vitaminzusätze zum Nährboden haben keine signifikanten Auswirkungen und können deshalb vernachlässigt werden. Der Ureasetest ist häufig nach 7 d bei 25°C positiv, aber nicht immer zuverlässig. Auf BCP-(Bromocresol purple)-Milchglukose-Agar färbt sich der Indikator in Abgrenzung zu gelb pigmentierenden Trichophyton rubrum -Stämmen purpurn. Degenerierte, pleomorphe Kulturen lassen sich durch Überimpfung auf salzhaltigen Agarplatten, denen 3 % bzw. sogar 5 % NaCl zugesetzt wird, wieder in ihre ursprüngliche, flache, grünlich-gelbe und Makrokonidien-haltige Wuchsform zurückführen. Dies ist auch ein Unterscheidungsmerkmal zu anderen Dermatophyten, die unter diesen Bedingungen entweder nicht wachsen oder pleomorph bleiben.

Klinische Bedeutung

Der Pilz wird von Mensch zu Mensch übertragen, häufig indirekt über Duschräume, Bäder, Handtücher, Schuhe und Bekleidung (Unterwäsche und Strümpfe). Experimentelle Infektionen an Versuchstieren blieben erfolglos. Am Menschen manifestiert sich die Infektion am häufigsten in der Leistengegend und den Beinen als Tinea inguinalis et cruris, aber auch im Gesicht (Tinea faciei), am Hals, Rücken, Bauch als Tinea corporis, an Armen, Handrücken, Handinnenflächen und Fingerzwischenräumen als Tinea manuum, an Fußsohlen und Zehenzwischenräumen als Tinea pedis, und deutlich seltener in den Nägeln als Tinea unguium oder Onychomykose. Die Tinea corporis ist charakterisiert durch erythrosquamöse und pustulöse Läsionen mit zentrifugaler (ringförmiger) Ausbreitung.

Untersuchungsmaterial & Bestimmungsmethode

Es sollten solche Materialien verwendet werden, die der Pilz befallen kann, also Haut- und Nagelschüppchen, aber keine Haare und Haarwurzeln. Vom Untersuchungsmaterial wird neben dem Direktpräparat die Pilzkultur auf mindestens zwei verschiedenen Nährböden anfertigt. Für das Direktpräparat sollte vorzugsweise Calcofluor in 20 %-iger Kalilauge zum Aufschluss verwendet werden. Im positiven Fall sind unter Verwendung eines Fluoreszenzmikroskops bei zunächst 100-facher, anschließend 400-facher Vergrößerung ausgedehnte Ketten von dickwandigen, grün leuchtenden, nicht stark geschwollenen, interkalaren Chlamydosporen (Arthrosporen = zerfallendes Myzel) zu sehen. Da möglicherweise einige Stämme von E. floccosum durch Cycloheximid (Actidion ® ) im Nährboden gehemmt werden könnten, sollte zusätzlich immer auch mindestens ein Nährboden ohne Cycloheximid verwendet werden.

Bewertung

E. floccosum ist ein obligat-pathogener Erreger, der in Mitteleuropa im Vergleich zu anderen Dermatophyten am vierthäufigsten auftritt. Jeder Nachweis aus Patientenmaterial – Haut- und Nägelschüppchen – ist als therapiebedürftiger Befund anzusehen. Die Behandlung erfolgt äußerlich mit antimykotischen Cremes und Lösungen, bei Befall der Nägel mittels systemisch wirkenden Antimykotika in Tabletten- oder Kapselform, u. a. Terbinafin oder Itraconazol.

Literatur

Summerbell RC, Kane J. The genera Trichophyton and Epidermophyton . In: Kane J, Summerbell RC, Sigler L, Krajden S, Land G. Laboratory handbook of dermatophytes. Star Publishing Company, Belmont, USA, 1997, pp. 131-191

Abbildungslegende

epidermophyton floccosum
E. floccosum auf Sabouraud-4%-Glukose-Agar mit flachem, olivgrünem Myzel
epidermophyton floccosum
E. floccosum : zerklüftete samtige weißlich-violette Oberfläche auf Sabouraud 4 % - Glukose - Schrägagarröhrchen
epidermophyton floccosum
E. floccosum : keulenförmige Makrokonidien

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