Microsporum gypseum – ein geophiler Dermatophyt

Einer Infektion durch Microsporum (M.) gypseum (Bodin - Guiart et Grigorakis 1928) geht in der Regel der Kontakt zur Erde oder eine Bodenbearbeitung vor­aus, d. h. es handelt sich bei diesem Erreger um einen geophilen Dermatophyten. Infolge beruflicher oder Freizeitexposition erkranken z. B. Gärtner an einer Tinea manuum, d. h. einer Dermatomykose der Hände.

Beschreibung

Makroskopische Merkmale

Der relativ schnell wachsende Dermatophyt M. gypseum hat eine flache, granuläre (Puder- oder Gips-artige) Oberfläche und erinnert makroskopisch an bestimmte Stämme von Trichophyton mentagrophytes. Die Kolonien von M. gypseum auf Sabouraud-Glukose-Agar erscheinen peripher weiß und imponieren zentral mit einer weiß-gelblichen, beigen oder sogar zimtbraunen Färbung (auch: sandfarben) (Abb. 1). Die Unter­seite der Kolonien ist glatt, farb­los oder manchmal dunkelgelb-braun. Das Pigment diffundiert nicht in den Nährboden.

Mikroskopische Merkmale

Das mikroskopische Bild beherrschen massenhaft vorkommende spindelförmige, dünnwandige, mit Protuberantien versehene Makrokonidien mit etwas abgerundeten Polen („Zigarrenform“) (Abb. 2). Diese charakteristischen "rauwandigen" Makrokonidien weisen 5 bis 6 Septen bzw. Kammern auf, sie stehen einzeln, oft jedoch büschelförmig zusammen. Außerdem bildet M. gypseum reich­liche Mikrokonidien.

Physiologische Merkmale

Der Urease-Test ist, wie auch bei anderen Microsporum-Arten, insbesondere M. canis, für M. gypseum positiv, erkennbar am Farbumschlag des Harnstoff-Agars nach Christensen von gelb nach rot. Die Haarperforation ist ebenfalls positiv. M. gypseum befällt den Haarschaft endothrix-artig (im Haarinneren), manchmal jedoch auch ectothrix-artig (Sporenketten außen am Haar).

Klinische Bedeutung

Der weltweit im Bodenstaub vorkommende Dermatophyt verursacht vorzugsweise im Spätsommer und Herbst erythrosquamöse (zentrifugal wachsende, schuppende) Hautveränderungen (= Dermatophytose oder Tinea). Betroffen sind an erster Stelle Hände und Arme (Tinea manuum), darüber hinaus die freie Haut des Körpers (Tinea corporis). Gelegentlich ist der geophile Dermatophyt auch verantwortlich für die Tinea pedis (Fußpilz), sehr selten sind auch die Zehen- und Fingernägel im Sinne einer Onychomykose befallen. Am behaarten Kopf tritt die Tinea capitis auf, wobei die Infektion durch M. gypseum meist zu einer stark entzündlichen Variante mit eitrigen Abszessen der Kopfhaut, dem sog. Kerion Celsi, führt.

Untersuchungsmaterial & Bestimmungsmethode

Hautschuppen sowie Nagelspäne, im Einzelfall auch Haarwurzeln, gelangen zum Nachweis von Pilzhyphen und -sporen zur mikroskopischen Untersuchung mittels Kalilaugepräparat oder Calcofluor-Präparat. Zur kulturellen Anzucht von M. gypseum bzw. anderen Dermatophyten ist Sabouraud 4 %-Glukose-Agar oder ein anderes mykologisches Nährmedium (z. B. Kimmig-Agar) geeignet. Daneben sollte ein Cycloheximid- bzw. Actidion®-haltiger Nährboden (z. B. Mycosel®-Agar) beimpft werden. Kultivierung bei 26-32°C für mindestens 3, besser 4 Wochen.

Bewertung

M. gypseum ist ein obligat-pathogener Erreger, der im Vergleich zu anderen Dermatophyten-Spezies jedoch selten isoliert wird. Trotzdem ist jeder Nachweis aus Patientenmaterial - Haut, Haaren und Nägeln – ein therapiepflichtiger Befund. Die Behandlung erfolgt äußerlich mit antimykotischen Cremes oder Lösungen, bei Befall von Kopfhaut und Nägeln mittels systemisch wirkenden Antimykotika in Tabletten– oder Kapselform.

Literatur

Land GA. The genus Microsporum. In: Kane J, Summerbell R, Sigler L, Krajden S, Land G. Laboratory handbook of dermatophytes. Star Publishing Company, Belmont, USA, 1997, pp. 193-211

Abbildungslegende

epidermophyton floccosum
M. gypseum auf Sabouraud-4%-Glukose-Agar mit flachem, granulären Myzel und sand­farbener Tönung
epidermophyton floccosum
M. gypseum: spindelförmige Makrokonidien mit abgerundeten Polen

Zurück